Dienstag, 25. August 2009

Kampf den Behörden-Teil 2

Enttäuscht, wütend, traurig. Warum?
Bevor wir das Schreiben an den Träger in Post geben wollten, haben wir heute noch einmal das Gespräch bezüglich James mit der Leiterin der KITA meiner Tochter gesucht. Sie meinte, dass nicht nur der Träger unser Anliegen abgelehnt habe, sondern auch die Aufnahme von James ihrerseits abgelehnt wurde.
Begründung: Überlastung, Stellenstreichung sowie "Angst" vor der Herausforderung ein behindertes Kind zu betreuen.
Ich sagte nichts dazu. Ich verstand einfach nicht, weshalb die Leiterin damals, als ich die Anfrage stellte, nicht schon ihre Bedenken äußerte. Wäre sie von Anfang an mir gegenüber offen und ehrlich gewesen, wäre es zu dieser jetzigen, für mich nicht nachvollziehbaren Situation gekommen.
Wir haben den Kampf verloren. Zumindest in dieser Einrichtung.
Im Moment bin ich hin und her gerissen, ob ich es in einer anderen Regel-KITA versuchen soll oder es bei der integrativen Einrichtung belasse. Ich weiß es einfach nicht. Natürlich bin ich mir bewusst, dass er "anders" ist. Doch hat er nicht trotzdem das Recht ganz "normal" aufzuwachsen und in einen Regelkindergarten zu gehen, soweit möglich eine Regelschule zu besuchen? Er ist nicht krank. Er hat "nur" einen Chromosomal bedingten Defekt. Ich weiß einfach nicht ob es richtig ist diese "Normalität" zu erzwingen bzw. ob ich ihm damit etwas gutes tu ihn in einen Regelkindergarten zu stecken, wo er der einzige "Andere" ist, oder ihm damit schade. Bis Vorgestern war ich mir meiner Sache ziemlich sicher, doch nun?

LG
Nadine

Kommentare:

  1. Liebe Nadine,

    es tut mir sehr leid, dass ihr so eine Enttäuschung erlebt habt. Ich kann Dir leider zu nichts raten oder einen guten Tipp geben, aber vielleicht finden sich andere Leser, die Dir in dieser schwierigen Entscheidung helfen können. Vielleicht magst Du ja auch mal in der DS-mailingliste das Problem schildern.

    Ich drück Dich aus der Ferne,
    Claudia mit der der kleinen Mia im Herzen.

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  2. Hallo Nadine,
    zweiter Versuch,ich habe heute morgen schon so viel geschrieben und bin dann irgendwie rausgeflogen.
    Ich lebe mit meinem Sohn (geb. Juni 08) in Baden Württemberg. Bei uns bekommen die Kinder im Regelkiga eine Integationskraft. Ich glaube für ca. 12 Stunden die Woche. Ich kenne Kinder die nur kommen dürfen wenn die Integrationskraft auch da ist (Wegen der Aufsichtspflicht, Kind läuft oft weg). Ich kenne aber auch Kinder die länger kommen können und es klappt prima. Dann kenne ich ein Kind das in einen Sonderpäd.Kiga gekommen ist und er wäre wohl auch überfordert gewesen im Regelkiga. Bekommt ihr keine Integrationskraft im Regelkiga?
    Ich finde die Entscheidung aber auch noch sehr früh! Wann soll James den in den Kiga kommen?
    Ich denke man muß einfach warten wie die Entwicklung weiter geht. Ich arbeite selbst im Kiga und es kann schon vorkommen das man mit ca. 25 Kindern alleine ist. Da können unsere Kinder schon untergehen. Da ist die Betreuung und Förderung im Sonderpäd. Kiga mit 6 Kindern natürlich viel intensiver.
    Mein Sohn Joshua entwicklt sich sehr gut und ich würde ihn mit 3 Jahren, wenn ich wieder anfange zu arbeiten sehr gern mitnehmen in die andere Gruppe. Das möchte ich aber erst mit 2-2 1/2 Jahren entscheiden , wie er sich bis dahin entwickelt hat. Ich hoffe das ich dann trotzdem noch in alle Richtungen offen bin und die Entscheidung treffe die ihm dann auch gut tut.
    Das ist wirklich nicht so einfach zu wissen.
    Ich wünsche euch auf alle Fälle viel Glück und Weisheit ;-) bei der Entscheidung! Könnt ihr euch denn nicht noch etwas Zeit lassen?
    Viele Grüße
    Christine

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  3. @Christine
    Ob James eine Integrationskraft zusteht weiß ich nicht. Doch hinzu kommt, das auch in dem Integrationskindergarten die Gruppen überfüllt sind.
    Eigentlich sollte James schon ab Dezember diesen Jahres in die KITA, da ich wieder arbeiten gehen wollte. Ich habe mich aber nun entschieden noch ein weiteres Jahr zu Hause zu bleiben.Allein deshalb, weil wir in der Integrations-KITA erst im Aug 2010 einen Platz haben bzw. in der Regel-KITA auch erst ab Sommer 2010 eine Platz gehabt hätten (hat sich ja nun erledigt). Ab Dezember 2010 muss ich dann aber wieder arbeiten gehen.

    LG
    Nadine

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  4. Liebe Nadine,
    sei nicht traurig darüber. Das ist zwar leichter gesagt als getan, doch ich sehe beide Perpektiven. Die Perpektive als Mutter eines Down Syndrom Kindes und die Perspektive der Kindergarten- und Hortpädagogin.

    Aus der Sicht der Mutter wäre es natürlich super klasse unsere besonderen Kinder in eine normale KITA zu geben. Wir wollen ja keine Föderung oder Therapie in der KITA, da wir dies ja mit unseren Kindern außerhalb der KITA Zeit machen. Leicht gesagt, aber das ist nicht umsetzbar und jetzt kommt die Sicht der Pädagogin.

    Eine Kindergaärtnerin ohne sonderpädagogischer Ausbildung ist rechtlich nicht gedeckt, wenn sie die Verantwortung für ein Integrationskind übernimmt. Es gibt Vorschriften an die sich Institutionen halten müssen und das ist gut so. Den Integrationsstatus bekommt ein Kind ja nicht einfach so. Geistige Behinderungen, Hyperaktivität, ADHS, Autismus usw. verlangen einfach nach besonderen Bedürfnissen. Auch wenn es zu Hause wunderbar funktoniert macht es einen haushohen Unterschied ob es in einer Gruppe mit 20 Kindern und zwei Kindergartenpädagogen ist oder ob eine Sonderpädagogin zur Verfügung steht, die unsere Kinder dann speziell betreut, wenn ihnen die Gruppenanzahl zu viel wird. Erfolgserlebnisse für unsere Kinder entstehen mit Sicherheit auch nur dann, wenn man auf das Kind ganz speziell eingeht und das funktioniert als "normale" Pädagogin" in der KITA einfach nicht. Unsere DS-Kinder sollen ja nicht untergehen.
    Es ist sehr schön immer wieder zu lesen wie toll sich James entwickelt. Auch wir sind sehr stolz auf unseren Paul, doch trotzdem wird sich die Entwicklungsverzögerung bei unseren Kindern bemerkbar machen. Beim einen früher und beim anderen später. Dies dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass unsere Kinder eine geistige Behinderung haben.

    Ihr habt ja noch sehr viel Zeit und glaub mir, ihr werdet für James einen richtig guten Platz finden. Die Zeit ist nur noch nicht reif dafür :-).

    Ganz liebe Grüße
    deine Bettina

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  5. Liebe Nadine,

    ich stolper hier manchmal von blog zu blog und kam heute zufällig bei Dir vorbei. Habe mir heute nachmittag ziemlich viel Gedanken zu Deinem Thema gemacht.

    Erstmal wollte ich eine Lanze für die Erzieherin Eurer Kita brechen. Vllt. ist sie so wie ich manchmal bin, erstmal begeistert von einer neuen Idee und dann, nach längeren Überlegungen, mit Angst vor der eigenen Courage? Vllt. war sie auch eher konfliktscheu und hat sich lieber hinter dem Träger versteckt, um Euch nicht zu verletzen, da Ihr ja schon "Kunden" der Kita seid? Letztlich hat sie die Verantwortung für die gesamte Einrichtung, für ihre Erzieherinnen und vor allem für alle Kinder. Fest steht, sie trauen sich die Betreuung nicht zu und dann sollte man auch die Finger davon lassen, egal, was der Grund ist. Damit würde für mich DIESE Einrichtung grds. ausscheiden.

    Zweite Frage, warum willst Du die "Normalität" erzwingen, wie Du schreibst? In einem integrativen Kiga sind doch nicht-behinderte und behinderte Kinder zusammen und das Umfeld ist optimal auf die Situation abgestimmt, soweit ich weiss. Die Situation in Regel-Kitas ist ja alles Andere als optimal. Bei uns sind 2 Erzieherinnen auf 22 Kinder Ü2, und das bedeutet rel. wenig Zeit, auf einzelne Kinder einzugehen. Meine "Normalo-"Tochter zB ist zwar etabliert, geht von sich aus aber nicht auf andere Kinder zu. Da hat man auch bei einem "Normalo-Kind" ständig Sorge, ob es genug integriert ist, sich wohl fühlt, nicht untergeht in der großen Masse... Letztes Jahr wurde die Martinslaterne gebastelt und meine Tochter, obwohl altersmäßig bei den mittleren und großen, hat die Laterne der Kleinen mitgebastelt, weil sie keine Ausdauer für die andere Laterne hatte und die Erzieherinnen sie nicht frustieren wollten. Ich fand das erst ganz schrecklich, aber letztlich war es genau das Richtige...

    Wie ist das, wenn man merkt, dass man vllt. nicht ganz so mitkommt? Frustriert das nicht? Kann man in dem Alter von Deinem Sohn schon sagen, wie er sich entwickeln wird? Ganz ehrlich, ich würde meinen kids in Kita-Zeiten ein Sofa besorgen, dass so weich wie möglich ist. Warum in ganz jungen Jahren schon Stress und Frustration bescheren? Herausforderung kommt doch hoffentlich durch die Frühförderung und bei Euch zu hause.

    Zur Grundschule werden dann die Karten eh neu gemischt, dann habt Ihr ein präziseres Bild.

    Alles Liebe wünscht Euch - Alex

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